Zombiecalypse

Bewertet mit 4.60 von 5, basierend auf 10 Kundenbewertungen
(10 Kundenrezensionen)

14,99 

Endzeit-Thriller, Hardcover, 280 Seiten

5 vorrätig

Kategorie:

Beschreibung

Zwei Jahre nach Ausbruch einer weltweiten Pandemie, die den größten Teil der Menschheit in mordlüsterne Kreaturen verwandelt hat, kämpfen die letzten Menschen mehr denn je ums Überleben. Die Untoten rotten sich zusammen und überrennen die verbliebenen Refugien.
Martin, der im Laufe dieser zwei Jahre seinen Prinzipien treu bleibt; seine Begleiterin, die geheimnisvolle blonde Russin Dalina, mit einem Herz für Kinder; Emre, der rücksichtslose Anführer einer Rocker-Gruppe, der mit seinen neuen Aushilfsrockern Spandau unsicher macht; Dennis und Mirjam Stern, die ein Jahr lang wie im siebten Himmel wohnen; Oberst Panitz, Hauptfeldwebel Klein, der Obergefreite Alexander Wasmuth und die Reste der dritten Panzerkompanie aus Potsdam – sie alle streben dem vermeintlich sichersten Ort in Berlin/Brandenburg zu – doch dieser scheint fest in den Händen der Zombies zu sein. Oder etwa doch nicht?

Leseprobe

1

Martin kannte sich hier aus. Das war aber so ziemlich das Einzige, was er im Moment genau wusste. Die Bilder von Blut, Tod und Zerstörung, die ständig aus seinem Hinterkopf in sein Bewusstsein drangen, nahm er nicht ernst. Das konnten auch nur die Reste eines Albtraums sein. Hinzu kamen die beinahe unerträglichen Kopfschmerzen, die sein Denken wie in Watte tauchten. Trotzdem oder gerade weil er wissen wollte, was die Ursache dafür war, schreckte ihn das dunkle Kellergewölbe im Moment nicht. Er wusste gar nicht mehr genau, wie oft er früher die Stufen in den Getränkekeller unterhalb des Gasthauses genommen hatte. Auch wenn er selbst heutzutage nur Gast sein konnte. Zumindest vermutete er das.

Das Heulen altertümlicher Sirenen hatte ihn aus dem Bett getrieben. Genau wie die Bilder, die ihm nun im Kopf herumspukten, schienen die Sirenen nur Ausgeburten seiner Fantasie oder Reste eines Albtraums zu sein, denn sie brachen ab, kaum dass er auf den Beinen stand. Offenbar war am Vorabend eine Menge Alkohol im Spiel gewesen und ein klassischer Filmriss die Folge. Eigentümlicherweise hatte ein Blick aus dem Fenster genügt, um zu erkennen, wo er war. Aber daran, wie er hierhergekommen war oder was er hier verloren hatte, fehlte ihm im Moment jede Erinnerung.

Seine Mutter war hier in Darbow geboren und hatte einen Jungen aus dem Nachbarort geheiratet. Zusammen waren sie später nach Berlin umgezogen. Wegen der Bindung an die alte Heimat hatten seine Eltern später hier viele Jahre lang mit ihm die Sommerurlaube bei den Großeltern verbracht. Ihre Gesichter sah er vor seinem inneren Auge, genauso wie die Treppe vor sich. Zwar leicht verschwommen, aber erkennbar.

Darüber hinaus wusste er im Moment gar nichts. Im Gasthof selbst schien niemand zu sein, den er hätte fragen können, und auch die Straße war menschenleer. Ratlos hatte er im verwüsteten Gastraum gestanden, die umgestürzten Hocker und Biergläser sowie die große Lache klebrigen Bieres auf dem Boden betrachtet. Auf dem Tresen hatten – neben einem großen, blutverkrusteten Fleischermesser – zwei Finger gelegen. Erst hatte er gedacht, es wären Raupen. Aber nein, es waren wirklich zwei Fingerglieder eines Menschen. So, wie sie dalagen, wahrscheinlich von einer linken Hand.

Dann hatte er das leise Wimmern gehört und war ihm bis in die Küche gefolgt. Er dachte zunächst, dass der Verursacher der Besitzer der abgeschnittenen Finger wäre. Aber auch in der Küche war niemand. Das Klagen, Stöhnen und Wimmern war jetzt noch deutlicher zu hören, denn es war unglaublich still um ihn herum. Es kam eindeutig aus dem Keller.

Vierzehn abgewetzte Stufen aus rotbraunem Klinker. Die Wände rechts und links nicht einmal weit genug voneinander entfernt, dass er die Arme hätte ausstrecken können. Der muffige Geruch, der aus dem Keller nach oben strömte, würde sich wohl auch nie mehr ändern. Nasses Holz und tote Ratte, hatte der Wirt damals grinsend gemeint und verboten, dass sie allein dort hinuntergingen.

Während er die letzten Stufen vor sich hatte, schaltete er die kleine Taschenlampe ein, die er sich vom Küchentisch genommen hatte. Der Drehlichtschalter oben an der Treppe funktionierte wie erwartet wieder einmal nicht. Schwaches, gelbliches Licht fiel flackernd auf die alte Holzbohlentür vor ihm. Martin schlug die Taschenlampe unsinnigerweise mehrfach in die hohle Hand, in der Hoffnung, dass die Batterien ihre Leistung verbesserten. »Die haben auch schon bessere Zeiten erlebt«, murmelte er, als zumindest das Flackern aufhörte und ein schwacher, aber konstanter Lichtstrahl die schmale Treppe einigermaßen erleuchtete.

Die Klinke war ein verschnörkeltes Teil aus den Zwanzigern des vorherigen Jahrhunderts. Martin wechselte die Lampe in seine Linke und nahm mit der nun freien Rechten die Klinke in die Hand. Dann legte er sein Ohr an die Tür und lauschte. Jetzt war das Wimmern und Stöhnen deutlich zu hören. Das mehrstimmige kurze Heulen konnte unmöglich durch die Zugluft entstehen, dazu waren die Töne nicht lang genug gezogen. Martin bekam Gänsehaut. Seine Nackenhaare und der dichte schwarze Flaum auf seinen Unterarmen stellten sich senkrecht. »Hallo?« Ein Tropfen Kondenswasser tropfte auf sein Gesicht und er bekam einen gewaltigen Schrecken. Dabei hielt sich Martin keineswegs für ängstlich. »Hallo? Ist da jemand?«, rief er jetzt etwas lauter. Langsam drückte er die Klinke, die quietschend beinahe senkrecht nach unten bewegt werden musste, um den Sperrriegel auf der anderen Seite der Tür weit genug nach oben zu drücken, dass er sie öffnen konnte.

In den vielen Jahren seit ihrer Herstellung waren die gusseisernen Türbeschläge leicht angerostet, das Holz aufgequollen und der Rahmen etwas verzogen. Martin musste mit der Schulter kräftig dagegendrücken, um sie einen Spalt weit aufzubekommen.

Erneut wurde das Wimmern deutlich lauter. Aus dem schmalen Spalt strömte noch mehr eiskalte und abgestandene Luft in seine Nase. Der Geruch war erheblich schlimmer, als er erwartet hatte, und nur kurz vor dem Würge- und Brechreizlevel – dachte er. Als er, sich Mut machend, dennoch tief einatmete, revidierte er seine Meinung sofort. Wenn das nicht schon mal darüber lag. Hatte der Wirt hier etwa unverpacktes Fleisch gelagert? Es roch nach Verwesung und Tod. Er ließ die Klinke los und legte die Hand auf Mund und Nase. Behutsam steigerte er den Druck seines Fußes, den er gegen das Türblatt drückte, um sie weiter zu öffnen.

Der einzige Raum hinter der Tür würde nicht sonderlich groß sein. Vielleicht fünf auf sechs Meter. An den Wänden hatte der Wirt vor ein paar Jahren die alten Holzregale durch moderne Schwerlastregale aus Metall ersetzt. Was er dort zu sehen bekommen würde, hätte eigentlich ein ganz normaler Vorratskeller sein müssen. Nur eben nicht für Lebensmittel. Da hätte das Gesundheitsamt kaum mitgespielt. Aber Bierkisten, Schnaps, Cola-Dosen … eben alles, was ein Wirtshaus so brauchte. Die Fässer lagerte der Wirt lieber in einem Schuppen hinter dem Gasthaus. Sie die enge Kellertreppe rauf- und runterschleppen zu müssen, wäre sowohl unpraktisch als auch gefährlich gewesen.

Was Martin aber auf den ersten Blick zu sehen bekam, war Schwärze. Die Taschenlampe versagte endgültig ihren Dienst. Seine Augen brauchten ein paar Sekunden, bis sie sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatten. Durch den Spalt meinte er, ein rötliches Glimmen in Form zweier roter Punkte zu sehen. Neugierig drückte er die Tür vollends auf. Das Wimmern schien nun direkt vor ihm zu sein. Vom Geruch angeekelt, aber von der Neugier gepackt, rang Martin mit sich, ob er einen weiteren Schritt nach vorn oder die Treppe wieder hinaufgehen sollte.

All seinen Mut zusammenreißend, nahm er die rechte Hand aus seinem Gesicht und streckte den Arm langsam weit nach vorn aus. Zaghaft trat er über die Schwelle. Der Türrahmen, der das Licht von oberhalb der Treppe reflektierte, lag nun nicht mehr in seinem Blickfeld, und seine Augen gewöhnten sich immer besser an die hier herrschende Dunkelheit.

Aus der Schwärze schälten sich die Umrisse von Gestalten, die sich wiegend auf der Stelle hin und her bewegten. Viele Gestalten, wie Martin verwundert feststellte. »Was macht ihr hier unten?«, fragte er den Mann mit dem dunklen Sakko und dem breitkrämpigen Hut, der ihm am nächsten stand. Er hatte ihm den Rücken zugewandt und drehte sich bei der Berührung von Martins Hand auf seiner Schulter ganz langsam um. Überhaupt schienen sich alle Gestalten im Keller bewusst zu werden, dass die Kellertür geöffnet worden und jemand zu ihnen gestoßen war.

Martin versuchte, noch jemand anderen im Raum zu erkennen, doch der Mann stand ihm im Weg. Als der Mann sich endlich so weit gedreht hatte, dass er ihm direkt in die Augen schauen konnte, gefror ihm das Blut in den Adern, und plötzlich fielen ihm ein paar besonders wichtige Dinge wieder ein. Verzweifelt versuchte er, die Türklinke zu erreichen und die Tür wieder zuzuziehen. Er scheiterte aber daran, dass der Mann bereits einen halben Schritt auf ihn zugekommen war. Fluchend warf sich Martin herum und stürmte die Treppe nach oben, zurück in das Wirtshaus.

10 Bewertungen für Zombiecalypse

  1. Bewertet mit 5 von 5

    andreaskohn

  2. Bewertet mit 5 von 5

    andreaskohn

  3. Bewertet mit 4 von 5

    andreaskohn

  4. Bewertet mit 4 von 5

    andreaskohn

  5. Bewertet mit 5 von 5

    andreaskohn

Füge deine Bewertung hinzu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.