Gus Masters: Lilith

11,99 

Weird Western, Taschenbuch, ca 300 Seiten, ab 1.Mai 2018 verfügbar

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Beschreibung

Im Jahr 1869 führt Gus Masters als Scout einen der letzten Siedlertrecks von St.Louis auf dem Oregon Trail bis nach Oregon City. Doch, kurz vor den Rocky Mountains wird der Treck von einer Horde merkwürdiger Gestalten attackiert. Um einen ihrer Verletzten behandeln zu lassen, suchen sie den nahegelegenen Ort Gumble auf.
Doch auch hier gerät Gus Masters mit Untoten zusammen. Und dann tauchen auch noch merkwürdige Fremde auf, die eine unglaubliche Geschichte zu erzählen haben.

Band 1 der Reihe um den Westernheld GUS MASTERS. Ein wilder Genre-Mix aus Western, Horror und Science Fiction.

Leseprobe

1

»Wylie, pass auf.« Auf Finella Brennans Warnruf hin ließ William »Wylie« Hayes den Kolben seiner Doppelbüchse nach links schwingen. Ohne hinzusehen, geschweige denn anständig zu zielen auf was er einzuschlagen gedachte, traf der Hartholzgriff seines Gewehrs den Schädel des dicken chinesischen Wanderarbeiters an der Schläfe. Erschöpft ließ Hayes das Gewehr in den feinen Sand sinken um sich vielleicht für ein paar Sekunden darauf aufstützen zu können. Gleichwohl wusste er aber auch, dass er diese Sekunden gar nicht hatte. Aber er war am Ende seiner Kräfte. Genauso wie Angus rechts neben ihm. Dabei war er ein Bär von einem Mann. Fast einen halben Fuß größer als er und mit einem Brustkorb und Oberarmen ausgestattet, die ihn beinahe unbezwingbar erscheinen ließen.

Die doppelläufigen Schrotflinten waren mittlerweile fast wertlos und nur noch als Prügel zu gebrauchen. Niemand hatte daran gedacht sich mit ausreichend Munition zu versorgen, als die Angreifer über sie hergefallen waren. Ganz davon abgesehen, dass die Schrotladungen nahezu wirkungslos verpufft waren. Genau wie sein Schlag mit dem Gewehrkolben, den der Chinese nahezu unbeeindruckt weggesteckt hatte, waren die Angreifer, mit fast nichts was sie taten, abzuwehren. Von den sieben ursprünglichen Gestalten hatten sie bislang ganze zwei ausgeschaltet, indem sie ihnen irgendwie die Schädel zertrümmert hatten.

»Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt«, hörte er die Frauen hinter sich murmeln. Einige waren mit geschlossenen Augen auf die Knie gesunken und rezitierten mit ihren Rosenkränzen Psalmen. Andere dagegen wandten weinend dem Grauen den Rücken zu und hielten schützend ihre Kinder fest umklammert.

Einen weiteren Ausweg gab es nicht mehr. Der kleine Canyon war vor langer Zeit an dieser Stelle zusammengebrochen und der Schutt versperrte ihnen den weiteren Fluchtweg. Sie saßen in der Falle.

»Wir könnten jetzt alle zusammen versuchen durch sie hindurch zurück zu den Wagen zu laufen«, schnaufte Angus O’Brien.

Hayes schüttelte kraftlos den Kopf und stieß zwischendurch einem der Angreifer seinen rechten Fuß gegen dessen Brust. Dabei taumelte er fast mehr Schritte zurück als der Getroffene.

Sie würden keine zehn Meter weit kommen und vor allem die Kinder verlieren. Natürlich würden die Mütter stehen bleiben und ebenfalls Opfer der Bestien werden. Am Ende würden vielleicht sieben oder acht entkommen. Und dann? Auf der anderen Seite würden sie hier sicher alle zu Opfern werden. Aber, vielleicht war das auch Gottes Wille.

Angus O’Brien wischte sich den Schweiß mit dem Ärmel von der Stirn und drängte gleich darauf den einzigen nicht-chinesischen Angreifer mit quer gehaltener Flinte ein paar Meter weit zurück. Dabei passte er tunlichst auf, seine Finger nicht in die Nähe der auf und zu schnappenden Zähne zu bringen. Es war ganz eindeutig ein Weißer. Der Statur und der Kleidung nach eher ein Landvermesser als ein Bahn- oder Wanderarbeiter wie die Chinesen. Aber genau wie sie, schien er dem Wahnsinn anheimgefallen zu sein. Das Gesicht war geschwollen und die blonden Haare mit Blut verklebt. Die runde Nickelbrille hielt sich nur noch mit Mühe am rechten Ohr fest.

Die Kerle waren zwar nicht bewaffnet. Aber, sie waren dennoch brandgefährlich. William Hayes hatte so etwas noch nie erlebt. In seiner alten Heimat Irland hatte er einen Herumtreiber gesehen, der von einem Fuchs gebissen worden war und daraufhin die Tollwut bekam. Der hatte zwar wie wild um sich geschlagen und jeden beißen wollen. Aber der Constable hatte ihn mit einem einzigen wohl gezielten Schlag seines Stockes außer Gefecht gesetzt. Diese Kerle hier waren anders. Fast jeder hatte wenigstens eine Schrotladung im Leib, mehrere Schläge mit dem Gewehrkolben gegen den Kopf oder den Oberkörper und unzählige Tritte abbekommen. Und trotzdem wollten sie nicht locker lassen.

Der dicke Chinese war das beste Beispiel. Er hatte ihn jetzt wenigstens ein Dutzend Mal mit dem Gewehrkolben am Kopf getroffen. Sein Gesicht war eine einzige schwärend blutige Masse. Das linke Auge hatte sich in Nichts aufgelöst und das andere schien beinahe aus dem Kopf heraus zu fallen. Dennoch war er nach dem letzten Treffer nur zwei Meter zurückgetaumelt, hatte sich etwas geschüttelt und kam bereits wieder auf Hayes zu. All diese Überlegungen gingen William Hayes zum wiederholten Male durch den Kopf.

Vor schierer Verzweiflung brüllte Hayes laut auf, als er das Gewehr am Lauf fassend hoch über den Kopf schwang und es mit voller Wucht ein weiteres und vielleicht letztes Mal auf dessen Schädel niedersausen ließ. Wenn er nicht richtig traf, war es vorbei, dachte er noch. Dann zerplatzte der Schädel des Dicken, wie eine reife Melone die man fallen gelassen hatte. Der Schwung seines Hiebes ließ Wylie Hayes nach vorne in den Sand fallen und erschöpft liegen bleiben. Er schaute genau in das schmerzverzerrte und angsterfüllte Gesicht Finella Brennans. Auch sie lag am Boden. Einem der chinesischen Arbeiter war es gelungen an ihnen vorbeizukommen und sie zu Boden zu reißen. Nun hockte er mit den Knien auf ihrem Rücken und beugte sich in diesem Moment zu ihr herab. Hayes, so erschöpft er auch war, mobilisierte Reserven, von denen er selbst nicht wusste, dass sie existierten. Er stemmte sich hoch und hechtete mehr als das er auch nur einen Schritt lief. Er packte den nackten Oberkörper des Chinesen und riss ihn von Finella herunter. Gleichzeitig spürte er, wie ihn ein siedend heißer Schmerz durch die Schulter fuhr. Der Kerl hatte ihn fast am Halsansatz gebissen. Einfach so.

Hayes rutschte auf seine Knie und fixierte die Arme seines Gegners unter sich. Dann begann er mit bloßen Fäusten auf sein Gesicht einzuschlagen. Wie ein Dampfhammer schlug er immer und immer wieder zu. Er hörte Knochen brechen. Ob es seine eigenen oder die seines Gegners waren, bekam er in seiner Raserei gar nicht mit. Irgendwann zerrte ihn jemand von dem leblosen Körper herunter und bettete seinen Kopf in einen weichen Schoß. Er meinte noch einen Schuss aus einem Revolver zu hören. Dann wurde ihm schwarz vor den Augen.

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